Mystik um eine halbe Million Dollar bei Tvind

Ein ehemaliger Tvind-Präsident, dessen Buchverlag und Wohnung während der groß angelegten Polizeirazzia gegen Tvind-Adressen im April durchsucht wurden, überwies 490.000 Dollar auf sein Privatkonto

Berlingske Tidende, 5. Juli 2001

Von Christian Jensen und Michael Bjerre

Tvind hat höchstwahrscheinlich gigantische Millionenbeträge zwischen seinen Konten und den privaten Konten der Mitglieder verschoben, um die Geldströme in einem betrugsverdächtigten Fonds zu verschleiern. Dies wird durch eine Beilage dokumentiert, welche die Anklagebehörde gestern im Stadtgericht Kopenhagen vorlegte, um das Gericht davon zu überzeugen, daß die Polizei berechtigt sein sollte, einen ehemaligen Tvind-Präsidenten außergerichtlich zu verhören.

Das Dokument zeigt genau, daß das ehemalige Mitglied von Tvinds oberster Leitung, Sten Byrner, ganze 490.000 Dollar aus Tvinds betrugsverdächtigtem humanitärem Fonds auf seine privaten Konti überweisen ließ.

Großes Interesse

"Mit der Transaktion von fast einer halbe Million Dollar aus dem Fonds auf Sten Byrners privates Konto müssen wir sagen, es gibt da etwas, wofür wir gerne eine Erklärung hätten", sagt Holstebros Polizeimeister Jens Kaasgaard, der für die Nachforschungen verantwortlich ist.

Der Millionenbetrag wurde auf das private Konto überwiesen, bevor Sten Byrner - nach eigener Aussage - Tvind 1991 - 1992 verließ.

Sten Byrner spielte in der Fondsangelegenheit ungewöhnlich viele Rollen, in der vier Tvind-Leiter - darunter der verschwundene Gründer Mogens Amdi Petersen - heute des groben Betrugs und der Steuerhinterziehung im Ausmaß von 73 Millionen Kronen verdächtigt werden.

Sten Byrner war zu Beginn der Neunzigerjahre Sekretär des betrugsverdächtigten Fonds. Gleichzeitig war er Präsident einer Tvind-Vereinigung in Paris, die um 15 steuerfreie Millionen Kronen für eine Kakao-Plantagengesellschaft in Malaysia, deren Gründer, Miteigentümer und Direktor er war, ansuchte und diese auch erhielt. Alles zusammen auf Tvinds Betreiben.

Keine Forschung

Der Verdacht der Polizei geht darauf hinaus, daß das Geld nur dazu benützt wurde, um Tvinds eigene kommerzielle Geschäfte voranzutreiben, und nicht für irgendeine Forschung, für Umweltschutz oder humanitäre Arbeit, was erforderlich ist, um Steuerfreiheit zu erlangen.

Bisher ließ sich Sten Byrner von der Polizei nicht verhören, und Tvinds Anwälte haben sich dem außergerichtlichen Verhör, das die Polizei wünscht, widersetzt.

Wenn das Stadtgericht die Polizei unterstützt und Sten Byrner auferlegt, bei einem außergerichtlichen Verhör zu erscheinen, werden seine Aussagen bindend. Dann können die Aussagen in einem kommenden Gerichtsverfahren verwendet werden.

Das Gericht wird heute seine Entscheidung fällen.

Übersetzung: Friedrich Griess

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