Tvind verzögerte die Untersuchungen acht Jahre lang

Internetzeitung Jyllands-Posten, 26. April 2001

Von Orla Borg

Tvind hatte acht Jahre lang alle Methoden benützt, um zu verhindern, daß
das Zivilrechtsdirektorat Informationen über einen besonderen Fonds
erhalten konnte. Das Direktorat hatte nie etwas Derartiges erlebt.

Zuerst verweigerte Tvind die Einsicht in die Abrechnungen.
Dann überhäuften sie die Behörden mit Unterlagen auf französisch und spanisch.
Und zuletzt verbrannten sie die wichtigsten Unterlagen.

Dies ist vorläufig die Vorgeschichte der Angelegenheit, welche die Polizei
gestern vier Leitern eines besonderen Tvind-Fonds vorwarf.

Bereits 1993 nahm das Zivilrechtsdirektorat - das die Verantwortung für die
Aufsicht über Fonds in Dänemark trägt - eine Routineüberprüfung beim
Tvind-Fonds vor.

Das Zivilrechtsdirektorat bat den Vorsitzenden der Leitung des Fonds, Poul
Jørgensen, um die Zusendung der Abrechnung für das Jahr 1992 für den "Fonds
zur Unterstützung humanitärer Anliegen, zur Förderung der Forschung und zum
Naturschutz". Das Ziel war es, zu untersuchen, an wen der Fonds Gelder
ausbezahlt hatte und ob die Ausbezahlungen mit der Zielsetzung des Fonds in
Übereinstimmung waren.

Verzögerungstaktik

Aber Tvind weigerte sich.
Mit verschiedenen Methoden versuchte der Vorsitzende der Leitung, Poul
Jørgensen, jeden Fortschritt in der Angelegenheit zu verhindern, zu
verzögern und zu verwirren.

Zuerst meinte Poul Jørgensen, das Zivilrechtsdirektorat sei gar nicht
berechtigt, die Zusendung einer Dokumentation darüber zu verlangen, wofür
die etwa 75 Millionen Kronen benützt worden waren.

Der Büroleiter im Zivilrechtsdirektorat, Rie Thoustrup Sørensen, sagt:
"Niemals vor- oder nachher waren wir mit einer solchen Einstellung
konfrontiert. Das ist ganz ungewöhnlich."

Die Angelegenheit wurde in die Länge gezogen und endete beim Polizeimeister
in Holstebro.

Buße für Verzögerung

Dies führte zu einem Prozeß beim Gericht in Ringkøbing, und dort erhielt das
Zivilrechtsdirektorat Unterstützung. Poul Jørgensen wurde zu einer Buße von
1000 Kronen verurteilt, weil er die Informationen nicht ausliefern wollte.

Poul Jørgensen berief in der Angelegenheit beim Vestre Landsret, aber
verlor auch dort.

Da das Gericht nun festgestellt hatte, daß der Fonds seine Abrechnungen und
anderes Material an das Zivilrechtsdirektorat ausliefern mußte, begann Poul
Jørgensen, eine lange Reihe von Unterlagen einzusenden.

Der Büroleiter Rie Thoustrup Sørensen sagt:
"Wir wurden mit Dokumenten überhäuft, die auf spanisch, französisch und in
anderen Sprachen verfaßt waren. Einige der Dokumente waren kompliziert, und
es war nie unmittelbar zu sehen, zu welchem konkreten Zweck die Gelder aus
dem Fonds ausgegeben wurden."

Unterlagen verbrannt

Und als das Zivilrechtsdirektorat nach konkreten Unterlagen fragte, um zu
erfahren, ob das TV-Projekt "Voice Of The Third World" eigentlich ein
humanitäres, forschungsorientiertes oder auf Naturschutz ausgerichtetes
Projekt sei, antwortete Poul Jørgensen, er habe alle Unterlagen verbrannt.

Im Zivilrechtsdirektorat sagt Rie Thoustrup Sørensen:
"Wir mußten dauernd mit der Aussicht auf neuen Bußen drohen, und 1997
zeigten wir den Vorsitzenden der Leitung wieder bei der Polizei an. Erst
als wir Drohungen anwandten, erhielten wir neues Material zugesandt."

Obwohl Tvind behauptet, alle Unterlagen über das TV-Projekt "Voice Of The
Third World" verbrannt zu haben, existieren diese möglicherweise immer
noch. Einer der abgesprungenen Lehrer, Hans la Cour, sagte in einer TV2 -
Ausstrahlung über Tvind, er habe gerade diese Unterlagen versteckt.

Die Angelegenheit nicht aufgeklärt

Selbst nach acht Jahren des Versuchs, festzustellen, ob die Gelder des
Fonds in
Übereinstimmung mit seinem Zweck verwendet wurden, ist das
Zivilrechtsdirektorat zu keiner Schlußfolgerung gekommen.

"Die Angelegenheit mit dem Tvind-Fonds unterscheidet sich auf jede Weise
von den
Angelegenheiten, mit denen wir normalerweise zu tun haben. Es pflegt
überhaupt kein Problem zu sein, den Vorsitzender der Leitung zu
veranlassen, die relevanten Informationen einzusenden, um die wir bitten.
Es ist ungewöhnlich, daß wir so viele Probleme mit der Leitung eines Fonds
haben", sagt Rie Thoustrup.

Das Zivilrechtsdirektorat hat einem Fonds gegenüber, der das Gesetz
übertritt,  in Wirklichkeit nur eine einzige Sanktionsmöglichkeit: Die
Leitung abzusetzen.
Aber das erfordert Dokumentation über Ungesetzlichkeiten, und die konnte das
Zivilrechtsdirektorat bisher nicht beschaffen.

Nun hat das Direktorat die Angelegenheit inzwischen eingestellt, nachdem
die Polizei und die Anklagebehörde vier Tvind-Leiter des Steuerbetrugs und
der mangelnden Aufsicht beschuldigt hat. Und das Direktorat hat einen Teil
seines Materials der Polizei übergeben.

Die Polizei meint, die Gelder aus dem Fonds seien an Tvind selbst oder an
gewerbliche Tätigkeiten in Beziehung zu Tvind geflossen.

Übersetzung: Friedrich Griess