Tvind Alert
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Grossrazzia
in Daenemark gegen Tvind-Humana Sektenartiger Konzern des Steuerbetrugs
verdaechtigt
Berliner Zeitung, 27.04.01
Auf Frank Nordhausen
KOPENHAGEN, 26. April. Eine der groessten Operationen in der
Nachkriegsgeschichte Daenemarks fuehren Polizei und
Staatsanwaltschaft derzeit gegen den so genannten
Tvind-Humana-Konzern durch. Am Mittwoch dieser Woche durchsuchten
starke Polizeikraefte die Zentrale und sieben weitere
Niederlassungen der Organisation im Land. Nach Informationen der
"Berliner Zeitung" nahmen sie fuehrende Tvind-Mitglieder
vorlaeufig
fest und beschlagnahmten Tausende von Dokumenten und zahlreiche
Computer. Die Ermittler erhoffen sich von der Razzia Beweise fuer
einen Steuerbetrug von 75 Millionen Kronen (etwa 19 Millionen
Mark).
Der daenische Tvind-Konzern ist ein undurchsichtiges Unternehmen,
das weltweit agiert. Es betreibt angebliche Wohlfahrts- und
Entwicklungshilfefirmen wie zum Beispiel "Humana Kleiderhandel".
Staatliche Pruefungen ergaben etwa in England, dass "Humana"
zwar
einige Vorzeigeprojekte in der Dritten Welt unterhaelt, aber
zugleich Gewinne auf eigene Konten lenkt. Zum Tvind-Imperium
zaehlen Dutzende Firmen in Steueroasen, Plantagen in Lateinamerika
und Afrika und Apartmenthaeuser in Miami Beach.
Revolutionaere als Kapitalisten
Die Tvind-Organisation, der Kritiker "Gehirnwaesche"
wie bei
einer Sekte vorwerfen, wurde 1970 als reformpaedagogisches
Schulprojekt von Maoisten gegruendet. Die Grundlage ihres Vermoegens
bildeten staatliche Zuschuesse, die Tvind bis 1996 kassierte, als
ihre 42 Schulen von der daenischen Regierung wegen Betrugs
geschlossen wurden.
Im neuen Ermittlungsverfahren geht es um mutmasslichen
Steuerbetrug durch einen "humanitaeren" Tvind-Fonds, der sein
Geld
statt in Wohlfahrtsprojekte in kommerzielle Geschaefte investiert
haben soll. Laut dem daenischen Journalisten und Tvind-Experten
Kurt Simonsen richten sich die Ermittlungen auch gegen den
geheimnisumwitterten Tvind-Chef Mogens Amdi Petersen.
Auf Frank Nordhausen